Augenbewegungen - Augenmuskeltraining

Basierend auf den Erkenntnissen zur Muskelfunktion wurde das Augenmuskeltraining 1991 von der Orthoptistin Dorothee Geiser entwickelt.

Dieses Training ist effektiv bei Störungen des Augenmuskelgleichgewichtes

  • bei allen Schielarten
  • bei Anstrengungsbeschwerden beim Lesen
  • bei Kopffehlhaltungen
  • bei Gesichts- und Blickfeldausfällen bzw. Einschränkungen
  • bei Doppelbildern, auch nach Schlaganfällen
  • bei Fazialisparesen
  • bei Schädel-Hirn-Traumata
  • bei Horror Fusionis
  • bei Kopfschmerzen unklarer Herkunft

Das Augenmuskeltraining erfolgt analog der Physiotherapie. Ein kleines Objekt (Bleistift oder Kugelschreiber) wird in einem Abstand von ca. 30 cm in Augenhöhe langsam nach rechts oder links, oben oder unten bewegt. Die Person hat die Aufgabe, augengetrennt der Bewegung mit dem Auge sehr langsam zu folgen, ohne dabei den Kopf mitzubewegen.

Wichtig: während der Übung mit den Augen die Spitze des Gegenstandes exakt fixieren. Bei aufmerksamem Üben wird eine Anstrengung der Augenmuskeln wahrgenommen. 

Ziel des Trainings ist es:

  • das Augenmuskelgleichgewicht wieder herzustellen
  • schwache Augenmuskeln zu kräftigen
  • Augenzittern (Nystagmus) zu reduzieren
  • Schielwinkel zu reduzieren
  • das Blickfeld zu vergrößern
  • Fusion, die Verschmelzungsfähigkeit der beiden Bilder zu erreichen und zu verbessern
  • räumliches Sehen zu ermöglichen und zu verbessern

Methode:

Unsere Muskeln arbeiten paarweise zusammen als Spieler (Agonist) beim Anspannen und als Gegenspieler (Antagonist) beim Dehnen. Anspannung und Dehnung sind die Grundlagen der Muskelfunktion und der Muskelkräftigung, wie wir dies aus der Physiotherapie kennen.

Dieses physiotherapeutische Prinzip der Muskelkräftigung kann auch bei den Augenmuskeln angewandt werden. Am Beispiel der horizontalen Augenbewegungen soll die Vorgehensweise kurz erkärt werden.

Beim Blick nach rechts arbeiten zwei Muskelpaare zusammen.

  • Rechtes Auge: Der rechte äußere Augenmuskel (Agonist) wird angespannt und der rechte innere Augenmuskel (Antagonist) wird gedehnt.
  • Linkes Auge: Der linke innere Augenmuskel (Agonist) wird angespannt, der linke äußere Augenmuskel (Antagonist) wird gedehnt.

Beim Blick nach links verhalten sich die Muskelpaare entsprechend spiegelbildlich.

Hier zeigt das Gesetz nach Sherrington, das Gesetz der reziproken Innervation, seine Gültigkeit. Zusätzlich gilt für die Augenmuskeln noch ein weiters Gesetz, das Gesetz nach Hering: Muskelpaare gleicher Zugrichtung erhalten das gleiche Maß an Innervation. 

Das Augenmuskeltraining besteht in langsamen, Folgebewegungen, je nach Diagnose einäugig oder beidäugig .

Wichtig: Beim einäugigen Training wird wechelseitig trainiert. Begonnen wird mit dem besseren Auge. So werden die Muskeln des anderen Auges schon gedehnt. Dies ist sowohl für die Augenmuskulatur als auch für den Trainingserfolg wichtig. 

Durch das Wechselspiel von Anspannung und Dehnung werden schwache Augenmuskeln gekräftigt. Das Augenmuskelgleichgewicht normalisiert sich. 

Das Augenmuskeltraining ist auch ein gezieltes und effektives Training für gelähmte Augenmuskeln. (Eigene Studien können angefordert werden.)

Der Erfolg des Trainings hängt ab:

  1. vom Zeitpunkt des Beginns der aufgetretenen Störung
  2. von der konsequenten, regelmäßigen und präzisen Durchführung der Übungen

Doppelbilder z.B. aufgrund von Augenmuskellähmungen lassen sich (nach neurologischer und augenärztlicher Abklärung)   durch dieses Training ebenso beheben wie frühkindliches Schielen, wenn mit dem Training frühzeitig begonnen wird. (Eigene Fallbeispiele bestätigen dies.)

Die Bewegung der Augen erfolgt über Hirnnerven. Jeweils drei motorische Hirnnerven steuern die jeweils sechs Augenmuskeln.

Die beiden Einzelbilder unserer Augen, die durch den Augenabstand nicht ganz deckungsgleich sind, werden im Gehirn zu einem Gesamtbild zusammengesetzt, d.h. fusioniert. Erst durch die Fusion dieser beiden Halb-Bilder nimmt das Gehirn die dritte Dimension wahr und ermöglichst so das räumliche Sehen (3D-Sehen).

Augenbewegungen und eventuelle Einschränkungen der Beweglichkeit werden dem Patienten durch spezielle Untersuchungen (z.B. mit dem Isoversiometer) bewusst gemacht. 

Das Ziel des Augenmuskeltrainings ist eine normale und seitengleiche Beweglichkeit beider Augen. Das Resultat ist die  Verbesserung des Stereosehens und der Lesefähigkeit sowie die Erweiterung des Blickfeldes. 

Warum darf der Kopf beim Training nicht bewegt werden?

Jede Kopfbewegung entlastet die Augenmuskeln. Schwache Muskeln können dann nicht gekräftigt werden. Ziel der Therapie ist eine optimale Augenbeweglichkeit, ein weites Blickfeld, die Rückgewinnung der Lesefähigkeit sowie optimales Stereosehen (3D-Sehen).

Wie lang dauern diese Trainingsmaßnahmen?

Für das Augenmuskeltraining sind Übungen von ein bis zwei Minuten pro Tag ausreichend, da rasch ein gewisser "Augenmuskelkater" eintreten kann.
Die Therapie ist unter Umständen eine Langzeittherapie. Die Dauer der Behandlung ist abhängig vom Zeitpunkt des Beginns der Augenmuskelschwäche/-lähmung. Je früher der Behandlungsbeginn erfolgt, desto schneller stellt sich eine Besserung durch konsequentes Üben ein.

Gibt es eine Altersgrenze für die Behandlung?

Die Therapie ist nicht altersbegrenzt. Nach unserer Erfahrung sind Erfolge auch im hohen Alter sehr wohl möglich.

Die Therapieerfolge hängen von der Konsequenz, der Ausdauer und der Mitarbeit des Patienten ab.