Sehen mit beiden Augen - Binokularsehen - Fusion

Die Welt, in der wir leben und uns orientieren, ist dreidimensional. Erst das Sehen mit beiden Augen vermittelt uns die räumliche Wahrnehmung, denn Sehen ohne Augenbewegungen ist praktisch nicht möglich. Räumliches Sehen (auch 3 D-Sehen genannt), ist nur mit zwei Augen möglich. In der Augenheilkunde sprechen wir hier von Stereosehen. Die Voraussetzung für das Stereosehen ist die Fusion = die Fähigkeit, mit zwei Augen einfach zu sehen. Die Fusionsbreite wird in der Orthoptik in Prismendioptrien (cm/m) gemessen. Die Norm der motorischen Fusionsbreite betrug 30-50 cm/m (Angaben aus Strabismus 1986; W. Rüssmann). Die heutigen Werte liegen deutlich niedriger (10-12 cm/m, eigene Untersuchungen von über 500 Grundschulkindern, 2000-2014). Kinder wie auch Erwachsene mit reduzierter Fusion sind oft nicht in der Lage, länger als 5 bis 10 Minuten zu lesen. (Stögerer und Kerkhoff)
Kopfschmerzen sind häufig die Folge.  

Ist die Bewegung der Augen für das räumliche Sehen notwendig?

Ja, denn unser Sehen ist ein dynamischer Prozess.

Erscheint etwas in unserem Blickfeld, versuchen wir, es deutlicher zu sehen. Dazu bewegen wir unsere Augen genauer auf das Objekt hin. Dies ist ein äußerst komplizierter Vorgang, denn beide Augen werden aufs feinste synchron, d.h. gleichzeitig bewegt, ganz gleich in welcher Entfernung oder Blickrichtung sich das Objekt befindet. Durch den geringen Abstand der beiden Augen voneinander müssen sie sich sehr präzise auf dasselbe Objekt einstellen. Dies geschieht einerseits durch die Netzhaut, andererseits durch die Augenmuskeln. Im Gehirn werden die so erhaltenen Einzelbilder zu einem Gesamtbild verschmolzen (fusioniert).Wir sehen ein Bild.

Das Blickfeld ist nicht zu verwechseln mit dem Gesichtsfeld. Das Gesichtsfeld ist die Gesamtheit der optischen Reize im Raum, die bei gerader Augen- und Kopfstellung wahrgenommen wird. Das Blickfeld ist der gesamte Bereich, der unter Zuhilfenahme von Augenbewegungen wahrgenommen wird. Somit ist das Blickfeld größer als das Gesichtsfeld.

Warum ist der Sehvorgang so kompliziert?

Eine äußerst feine und präzise Zusammenarbeit (Koordination) beider Augen ist notwendig, um wirklich räumlich sehen zu können (3 D-Sehen). Sechs Augenmuskeln pro Auge bewirken das exakte Zusammenspiel der beiden Augen. Diese Muskeln werden von drei eigenen Hirnnerven (N.III oculomotorius, N.IV trochlearis, N.VI abducens) gesteuert.